MPU Mustergutachten Alkohol

Fahreignungsgutachten

Das vorliegende Gutachten stützt sich auf die Ergebnisse einer verkehrsmedizinischen und einer verkehrspsychologischen Untersuchung, die nach den Grundsätzen der Anlassbezogenheit und Verhältnismäßigkeit durchgeführt wurden. Hierbei werden die Vorgaben der Anlage 15 zum § 11 der Fahrerlaubnisverordnung (Grundsätze für die Durchführung der Untersuchung und die Erstellung der Gutachten) berücksichtigt.

Die Begutachtung dient ausschließlich dem Zweck, die bestehenden Fragen zur Fahreignung des Auftraggebers zu klären und ggf. zur Frage besonderer Eignungsvoraussetzungen Stellung zu nehmen. Der Untersuchung liegt dabei ein interdisziplinärer, d.h. medizinisch-psychologischer Ansatz zugrunde, wobei die Befunde zusammengeführt und im Gesamten hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Beantwortung der behördlichen Fragestellung betrachtet werden.

Für die Beurteilung ist damit stets die vorliegende Befundkombination maßgeblich. Liegen sowohl günstige als auch ungünstige Befunde vor, erfolgt eine Gewichtung und Abwägung der Einzelbefunde, um zu einem Gesamtbild zu gelangen. Bei eindeutiger Befundlage kann das Gutachten kürzer gefasst werden.

Folgende Regelungen und Richtlinien werden in der jeweils aktuellen Fassung bei einer Begutachtung berücksichtigt:

–   Straßenverkehrsgesetz  (StVG) und Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnisverordnung, FeV) einschließlich Anlagen.

–   Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung (herausgegeben von der Bundesanstalt für Straßenwesen}

–   Urteilsbildung  in der medizinisch-psychologischen Fahreignungsdiagnostik- Beurteilungskriterien der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM}

Nach der Wiedergabe der behördlichen Fragestellung in Abschnitt I werden im Gutachten zunächst in Abschnitt II die Anlass gebende Aktenlage dargestellt und die Vorgeschichte einer fachwissenschaftlichen Auswertung unterzogen. Hieraus leiten sich die Anforderungen ab, die an eine günstige Prognose zu stellen sind. Diese so genannte Hypothesenbildung stellt die Grundlage der Befunderhebung dar, deren Ergebnisse unter 111.  dargestellt sind. Die Bewertung der Befundlage erfolgt in Abschnitt IV, die Beantwortung der behördlichen Fragestellung in Abschnitt V. Hier finden sich auch Empfehlungen für weitere Maßnahmen, sofern diese möglich sind bzw. erforderlich erscheinen.

I. ANLASS UND FRAGESTELLUNG DER UNTERSUCHUNG

Herr Peter Wexxer erteilte uns den Auftrag, ihn zu begutachten. Die zuständige Straßenverkehrsbehörde hat ihn aufgefordert, das Gutachten einer Begutachtungsstelle für Fahreignung vorzulegen. Die Fragestellung lautet:

„Ist zu erwarten, dass Herr Wexxer auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird und/oder liegen als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vor, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges der Gruppe 1 (FE-Klasse A1 und BE) in Frage stellen?“

II. ÜBERBLICK ÜBER DIE VORGESCHICHTE

Aktenübersicht

Die Akten der Verkehrsbehörde  lagen bei der Begutachtung vor. Folgende Sachverhalte wurden bei der Begutachtung berücksichtigt:

30.01.2012   Vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung mit 3,15 Promille um 14:52 Uhr, Tatzeit 13:30 Uhr.

Sonstige Informationen zur Vorgeschichte

01.06.2012   Teilnahmebescheinigung am Alkohol- Abstinenzcheck, Name und Adresse des Instituts der Begutachtungsstelle für Fahreignung, (Überprüfung der Abstinenz durch Bestimmung des Alkohol­ Stoffwechselprodukts Ethylglucuronid) sowie die Befundberichte der der einzelnen Urinscreenings. Es erfolgten insgesamt acht Urinanalysen im Zeitraum vom 01.06.2012 bis 01.06.2013 mit Urinabgaben am 24.06.12, 15.08.12, 18.09.12, 20.11.12,

21.12.12, 30.01.13, 23.04.13 und 29.05.13. Bestätigt wird, dass gerichtsverwertbare, den formalen Rahmenbedingungen der CTU-Kriterien (CTU1 bis CTU4) entsprechende Analysen des Urins auf das Alkoholabbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) erfolgten (d.h. kurzfristige, unvorhersehbare Einbestellung mit Urinabgabe spätestens am Folgetag der Einbestellung, ldentitätskontrolle, Urinabgabe unter Sicht). Es wird zudem bestätigt, dass das beauftragte Prüflabor nach DIN EN ISO 17025 für das Prüfgebiet Forensische Toxikologie akkreditiert wurde. Die Analysen erfolgten mit einem hinreichend sensitiven Verfahren (Cut Off Wert 0,1 mg/1; Methode: CEDIA, ggf. Bestätigungsanalyse mittels LC/MS). Auch die Verdünnung des Urins und lag jeweils im Referenzbereich (20 mg/dl) mit Ausnahme der Urinproben vom 23.11.11 und 09.02.12. Die Durchführung erfolgte als komplettes, ununterbrochenes Programm. In keiner der Urinproben konnte EtG nachgewiesen werden. Es fand sich demnach auch kein Hinweis auf Alkoholkonsum im vereinbarten Zeitraum. Der Kreatininwert wurde jeweils mitbestimmt.

Zusätzlich Ergebnisse von zwei Leberwertkontrollen (01.03.12 und 24.04.12), Dr. med. Name und Adresse des Arztes. Die erhobenen Parameter (GGT, GOT, GPT) lagen alle im Normbereich

31.05.2013    Bescheinigung über die Teilnahme an 16 Einzelgesprächen sowie die Teilnahme an 15 Gruppenterminen in der Beratungsstelle der mpu-web.de in Stadt im Zeitraum von ca. 1 Jahr.

Fachliche Bewertung der Vorgeschichte, Voraussetzungen für die günstige Prognose

Die individuellen Vorgeschichtsdaten lassen bei Herrn Wexxer die Schlussfolgerung zu, dass er bis zum Zeitpunkt der Auffälligkeit ein sehr problematisches Trinkverhalten entwickelt hat, das eine hohe Wahrscheinlichkeit weiterer Fahrten unter Alkoholeinfluss begründet. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen nämlich, dass Personen, die mit einer Blutalkoholkonzentration wie bei Herrn Wexxer am Straßenverkehr teilnehmen, an den Konsum ungewöhnlich großer, nicht mehr zuverlässig kontrollierbarer Alkoholmengen gewöhnt sind. Herr Wexxer hat einen BAK- Wert von 2 Promille deutlich überschritten.

Diese besonders hohe Blutalkoholkonzentration lässt den Verdacht auf die Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit aufkommen. Eine derartige Konzentration von Alkohol im Blut ohne Totalverlust der Bewegungskoordination – immerhin konnte noch ein Kraftfahrzeug in Bewegung gesetzt werden – ist nur denkbar, wenn eine Gewöhnung an extrem hohe Alkoholmengen vorliegt. Dies führt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zu Folgeschäden {z. B. gesundheitliche  Störungen oder Verminderung der psyche-funktionalen Leistungsfähigkeit), die auch ohne akute Alkoholwirkung eine sichere Verkehrsteilnahme in Frage stellen.

Folglich kann die Frage der Verkehrsbehörde {s. Teil I) nur dann in einem für Herrn Wexxer günstigen Sinn beantwortet werden, wenn er das Alkoholtrinkverhalten ausreichend und stabil geändert hat.

Bereits im Hinblick auf die Vorgeschichtsdaten muss es als fraglich angesehen werden, ob die Änderung bereits ausreichend ist, wenn versucht wird, Alkohol in reduzierten und kontrollierbaren Mengen zu trinken. Sollten Untersuchungsbefunde bestätigen, dass ein kontrollierter Umgang nicht erwartet werden kann, ist zwingend Alkoholabstinenz zu fordern.

Für die Stabilität der Änderung ist zu fordern, dass sie aus einer nachvollziehbaren Motivation und einem angemessenen persönlichen Problembewusstsein resultiert sowie in das Gesamtverhalten und das soziale Umfeld positiv integriert ist.

Im Hinblick auf die Vermeidung einer Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluss ist zudem zu überprüfen, ob eine individuell angemessene Einsicht in die Problematik des früheren Verkehrsverhaltens besteht, sowie ob wirksame Vermeidungsstrategien und alternative Verhaltensmuster  für vergleichbare Konfliktsituationen entwickelt und eingeübt wurden.

Weitere Bedingung für eine günstige Prognose ist das Fehlen von körperlichen Befunden, die entweder die Fahreignung direkt beeinträchtigen oder auf Alkoholmissbrauch bis in die jüngere Vergangenheit hindeuten.

Auch dürfen keine Anhaltspunkte für wesentliche Leistungsbeeinträchtigungen bestehen.

lV. UNTERSUCHUNGSBEFUNDE

Im Folgenden werden die Untersuchungsverfahren und Befunde dargestellt, die zur Klärung der Fragestellung {vgl. Abschnitt I) eingesetzt wurden.

A. Verkehrsmedizinische Untersuchungsbefunde

Die verkehrsmedizinische Untersuchung umfasst die Auswertung der Aktenlage und die anamnestische Befragung zu Gesundheitszustand und Begutachtungsanlass. So werden Symptome und Krankheiten, die mit Alkoholmissbrauch in Zusammenhang stehen können, besonders erfragt. Ferner wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt, die besonders alkoholinduzierte Schäden erfassen soll. Durch eine laborchemische Blutuntersuchung wird zudem abgeklärt, ob eine durch Alkohol bedingte Schädigung der Leber vorliegt.

Ärztliches Untersuchungsgespräch

Aus dem Gespräch mit dem ärztlichen Gutachter geben wir diejenigen Passagen sinngemäß oder wörtlich wieder, die für die Beantwortung der Eignungsfrage von wesentlicher Bedeutung sind. Wörtliche Zitate stehen in Anführungszeichen.

Zur Krankheitsvorgeschichte

Zur Vorbereitung auf die ärztliche Untersuchung hat Herr Wexxer auf einem Gesundheitstragebogen Angaben gemacht, die mit ihm durchgesprochen wurden. Herr Wexxer gab an, er fühle sich am Untersuchungstag insgesamt gesund und leistungsfähig. Es erfolgten regelmäßig ärztliche Kontrolluntersuchungen. Er nehme folgende Medikamente ein: xy, xz und ASS 100. Er habe Schmerzen gehabt am Herzen, ein Herzinfarkt sei nicht eingetreten, doch habe er am 25.11.12 einen Stent erhalten. Seither erfolgten regelmäßig Kontrollen, die nächste sei für Juli 2013 geplant. Beschwerden am Herzen habe er keine mehr gehabt, seither. Darüber hinaus lägen keine neurologische  oder psychiatrische Erkrankung, keine Störungen des Herz- Kreislaufsystems,  keine Blutzuckererkrankung  und keine Erkrankung  der inneren Organe (Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse etc.) vor. Es bestehe keine für das Bedienen eines Fahrzeugs wesentliche Körperbehinderung. Eine Erwerbsminderung bestehe nicht.

Zum Alkoholkonsum

Alkoholfahrt mit Unfall am 30.01.2012 um 13:30 Uhr mit einer BAK-Wert von 3,15 %o (Blutentnahme gegen 14:52 Uhr): Er habe schon 13 Monate zuvor seinen Alkoholkonsum reduziert und sehe das als einen Rückfall nach gescheitertem kontrolliertem Trinken. Anlass des Trinkens sei die Situation zu Hause gewesen, seine Tante sei, die ihn nach dem Tod seiner Mutter aufgezogen hatte, schwer erkrankt und es sollte ihr ein Bein abgenommen werden. Ende Januar sei das gewesen, er sei dann zunehmend gereizt und aufgeregt geworden, denn die Tante habe es nicht wahrhaben wollen. Er habe gesehen, dass es der Tante nicht gut gehe, auch sollte diese regelmäßig untersucht werden. Die Tante sei nicht einsichtig gewesen, es habe eine Auseinandersetzung mit ihr gegeben. Er habe dann angefangen, mehr Alkohol zu trinken an dem Wochenende. Zunächst 2 Gläser Wein, nach dem Streit habe er jedoch mehr getrunken, letztlich 2 Flaschen Wein zu 0,75 1, das gleiche auch am Sonntag. Begonnen habe er zum Mittagessen und sei dann weiter gegangen, nach Mitternacht habe er nochmals 2 Flaschen Wein getrunken. Dann sei kein Wein mehr da gewesen, er habe sich die ganze Nacht Gedanken gemacht und dann Korn ins Weinglas eingegossen. Gegen 4:00 Uhr habe er sich im Wohnzimmer hingelegt und sei dann gegen 8:30 Uhr aufgestanden und habe etwas gegessen. Die Tante sei ins Krankenhaus gefahren. Später habe seine Lebensgefährtin angerufen, dass die Tante starke Schmerzen habe und nun einen Spezialstuhl benötige. Da habe er Panik bekommen und wieder 3 größere Gläser Korn getrunken. Dann sei er losgefahren, habe diesen holen wollen. Fahrstrecke: ca. 25 km.

Angaben zum Alkoholkonsum in der Zeit vorher:

Anfang 2011 habe er schon weniger getrunken. Grund hierfür sei gewesen, dass er bemerkt habe, dass er zunehmend Alkohol getrunken hatte. Es sei ein dumpfes sinnloses Trinken geworden, nicht mehr Genusstrinken wie in früheren Zeiten. Getrunken habe er an den Wochenenden, unter der Woche keinen. Er habe zunächst zum Entspannen Alkohol getrunken, das habe sich dann zunehmend gesteigert. Freitag sei er meist spät gekommen und habe dann 1 bis 2 Gläser Wein getrunken. Am Samstag habe er dann anfangs eine, später bis zu drei Flaschen Wein getrunken. Erst abends, dann am Nachmittag, dann morgens begonnen damit. Am Sonntag dann ab Mittag Wein, max. eine Flasche. Unterbrechungen habe es auch gegeben: einige Wochen habe er manchmal gar keinen Alkohol getrunken. Körperliche Entzugserscheinungen habe er nie welche bemerkt. Es sei auch nie eine Entgiftung oder eine Therapie erfolgt. Dann habe er Anfang 2011 reduziert, er habe kontrolliert trinken wollen; max. eine Flasche am Samstag und eine Flasche am Sonntag. Dies an den freien Wochenenden, d. h. an 2 Wochenenden im Monat. Das habe auch geklappt dann – zunächst.

Seit dem 31.01.2012 verzichte er konsequent auf Alkohol und habe seither nichts mehr getrunken. Gar nichts mehr.

Körperlicher Untersuchungsbefund:

46 Jahre, Größe:  175 cm, Gewicht:  71 kg, Allgemeinzustand:  gut, Haut und sichtbare Schleimhäute: unauffällig, OP-Narben: keine, Herzaktion: regelmäßig, Pulsfrequenz:  80 Imin, RR: 150/90 mm Hg, Abdomen:  ohne Resistanzen Leber: unauffällig Leberhautzeichen: keine, Obere und untere Gliedmaßen:  frei beweglich, Hirnnerven: orientierend unauffällig, Augen: frei beweglich (kein Nystagmus, Pupillen seitengleich, prompte Reaktion auf Licht), Muskeleigenreflexe: seitengleich, normereflektorisch auslösbar, Motorik: keine Paresen, Koordinationsprüfungen: ungestört  (Untersuchungsumfang: Finger/Nasenversuch, Seil, Tänzergang, Einbeinstand), Vegetativum: unauffällig, Psychiatrie: unauffällig

Laborbefund

Die erhobenen Werte Gamma- GT, GOT, GPT waren unauffällig. Normbereiche für die Gamma- GT sind laborabhängig verschieden und können sich deshalb von früher erhobenen Befunden oder von den Befunden anderer Labors in ihrer Bewertung unterscheiden. Sie umfassen trotz unterschiedlicher Wertebereiche dieselbe statistische Streubreite (95% der Gesamtpopulation).

B. Verkehrspsychologische Untersuchungsbefunde

Einen wesentlichen Teil der verkehrspsychologischen Untersuchung stellt das Gespräch mit dem Betroffenen dar. Hier kann er seine Sicht der Vorgeschichte darstellen, sich zu den persönlichen Ursachen seines Problemverhaltens äußern und seine zwischenzeitlichen Erfahrungen vermitteln. Mögliche Verhaltens- und Einstellungsänderungen sowie deren Stabilität werden erörtert. Beim Gespräch liegen in der Regel offene Fragebogen mit Angaben zur Biographie und derzeitigen Lebenssituation sowie zum aktuellen und vergangenen Alkoholtrinkverhalten vor. Die Angaben werden im Untersuchungsgespräch berücksichtigt und daher in der Regel nicht getrennt dargestellt. Um eventuelle Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit als Folge des früheren Alkoholkonsums zu erkennen und um festzustellen, ob die aktuellen Leistungsmöglichkeiten  den Anforderungen des Straßenverkehrs  genügen, wird eine psychologische Leistungstestung durchgeführt. Sofern bei den Testergebnissen bedeutsame Abweichungen vom mittleren Leistungsniveau der Bezugsgruppe zu beobachten sind, werden diese mit dem Betroffenen besprochen und mögliche Ursachen erörtert.

Leistungsdiagnostik

Die Untersuchung der für eine motorisierte Verkehrsteilnahme bedeutsamen Funktionen des psychophysischen Leistungsvermögens erfolgte in Form von Einzeltests an einem computergesteuerten Testgerät (ACT + REACT TESTSYSTEM ART 2020) mit programmierter Instruktions- und Testvorgabe am Bildschirm. Die ausgewählten Verfahren sind hinsichtlich der Durchführungsbedingungen standardisiert und die Ergebnisse sind an realem Verkehrsverhalten auf ihre Aussagekraft hin überprüft (validiert) worden.

Bei der Testeinweisung wurde das individuelle Arbeitstempo der Testperson berücksichtigt. Testergebnisse werden, soweit möglich, in Prozentrangwerten mitgeteilt. Der Prozentrang (PR) gibt an, wie viel Prozent einer vergleichbaren Gruppe von Personen schlechtere bzw. gleiche Leistungen erzielt haben. Als Vergleich wird die sog. Gesamtpopulation herangezogen. Wenn im Einzelfall ein Vergleich mit einer bestimmten Altersgruppe gemacht wird, ist dieser PR speziell als „Altersnorm“ gekennzeichnet.

Maximal erreichbar ist PR 100 und die geringste Leistung erhält PR 1. Der Prozentrang 50 spiegelt demnach die durchschnittlich zu erwartende Leistung wider. Der Normbereich erstreckt sich für Inhaber oder Bewerber der  Fahrerlaubnisklassen der Gruppe 1 (z. B. Klasse A oder B) von PR 16 bis PR 84. Leistungen unter PR 16 müssen als Norm abweichend niedrig bezeichnet werden. Für die Gruppe 2 (z. B. Klasse C oder D) gilt die erhöhte Anforderung, dass in der Mehrzahl der eingesetzten Verfahren der Prozentrang von.33, ausnahmslos aber der Prozentrang von 16 erreicht sein muss.

Die mit Herrn Wexxer durchgeführten Verfahren und deren Ergebnisse waren in Ordnung.

Psychologisches  Untersuchungsgespräch

Herr Wexxer wurde zu Gesprächsbeginn über den Sinn, die Zielsetzung und die wesentlichen Inhaltsbereiche der psychologischen Exploration informiert. Es wurden die Fragestellung/an der Behörde, die dahinter stehenden Annahmen und die Voraussetzungen einer günstigen Beurteilung der Fahreignungsfrage/n dargestellt. Dabei wurde Herr Wexxer auch auf die Bedeutung unrealistischer, widersprüchlicher  Angaben für das Ergebnis der Begutachtung hingewiesen.

Im weiteren Gesprächsverlauf  hatte er sodann Gelegenheit, sich zu seiner Vorgeschichte zu äußern, aber auch seine gegenwärtige Situation zu schildern und Vorsätze sowie Zukunftspläne darzustellen.

Die Angaben werden während des Gesprächs schriftlich aufgezeichnet, soweit sie für die Beantwortung der Fragestellung/en bedeutsam sind. Um Missverständnisse zu vermeiden und Ergebnisse abzusichern, werden Rückfragen gestellt und Rückmeldungen über gutachterliche Schlussfolgerungen gegeben.

Am Ende des Gesprächs erfolgt die individuelle Ergebnis- oder Sachslandsmitteilung und es werden Hinweise zur weiteren Vorgehensweise gegeben, soweit dies zu diesem Zeitpunkt der  Befunderhebung möglich ist. Das Untersuchungsgespräch mit Herrn Wexxer dauerte von 13:15 Uhr bis 14:11 Uhr.

Zur Biografie: Herr Wexxer gibt an, dass er am 28.04.1966 in Bosnien geboren sei. Er sei im Februar 1988 nach Deutschland gekommen und  lebe derzeit in xy-Stadt. Er sei  geschieden  und habe 2 Kinder im Alter von 16 und 17 Jahren. Er lebe seit 10 Jahren mit seiner jetzigen Lebensgefährtin zusammen. Er habe studiert und derzeit sei er als IT-Fachmann tätig. In seiner Freizeit spielt er Tennis und Fußball. Die Fahrerlaubnis habe er erstmals 1985 erworben.

Zur Verkehrsauffälligkeit: Die Trunkenheitsfahrt sei an einem Wochenende gewesen. Er habe einen Rückfall erlebt, nach einem kontrollierten Trinkversuch. Er habe sich erlaubt, an Wochenenden Entspannungstrinken zu betreiben. An dem Wochenende sei es  seiner Tante besonders schlecht gegangen. Es sei zu einem Streit mit ihr gekommen, da sie uneinsichtig gewesen sei. Sie habe gesagt, das werde schon werden und er habe den Notarzt rufen wollen. Es sei zu einer unüblichen Streitigkeit mit ihr gekommen. Sie sei ständig uneinsichtig gewesen. Der Arzt sei dann gekommen und habe gesagt, dass eine Amputation des Beines kommen könne. Das Gespräch mit dem Arzt habe ihn umgehauen. Es sei dann zum Rückfall gekommen. Er habe nicht wie vorgenommen eine Flasche Wein am Samstag und eine am Sonntag getrunken. Stattdessen habe er dann zwei Flaschen getrunken und am Sonntag habe er zum Mittagessen auch Wein getrunken. Auch an diesem Tag sei sie nicht einsichtig gewesen. Er habe an dem Sonntag bis abends auch zwei Flaschen getrunken. Er habe dann die ganze Nacht gegrübelt und habe dann nochmals zwei Flaschen Wein bis morgens um 4 Uhr ausgetrunken. Dann habe er keinen Wein mehr gehabt und habe dann Korn weitergetrunken. Das seien so drei Schnäpse gewesen. Dann habe er sich hingelegt und bis ca. 8:30 Uhr geschlafen. Dann habe er gefrühstückt und geholfen seine Tante ins Auto zu bringen, um sie zur Untersuchung zu fahren. Seine Lebensgefährtin habe sie hingefahren. Ihn habe das alles sehr belastet. Um 13:00 Uhr habe seine Lebensgefährtin angerufen und ihm gesagt, dass es sehr schlimm sei. Seine Tante habe starke Schmerzen und sie brauche einen Krankenstuhl für zu Hause. Er habe dann gehört, dass es im Krankenhaus diese gebe. Er sei dann zur Bar gegangen und habe drei Korn nachgetrunken. Er habe dann wohl die Kontrolle verloren, habe sich in das Auto gesetzt und habe den Stuhl holen wollen. Vor ihm sei ein Fahrzeug gewesen, das überraschend doch noch gebremst habe. Er habe auch zu viel getrunken, so dass er nicht die entsprechende Reaktion gehabt habe.

Zum Alkoholtrinkverhalten

Er habe mit 16 Jahren den ersten Kontakt mit Alkohol gehabt. Da habe er Bier getrunken. Mit 22 Jahren sei er dann auch von Bosnien nach Deutschland gekommen und es sei dann mehr geworden. Er sei am Wochenende immer mit der  Clique auf Achse gewesen und man habe dann am Wochenende Bier getrunken. Meistens sei er sonntags verkatert gewesen, so dass er da nicht mehr weggewesen sei. Das sei bis zum Besuch in seiner Heimat so gegangen. Dort aber habe man öfter getrunken. Er hatte auch das Elend im Kriegsgebiet bzw. ehemaligen Kriegsgebiet kennengelernt, dort habe er dann fast jeden Abend eine halbe Flasche bis manchmal sogar eine ganze Flasche Schnaps getrunken. Er habe gemerkt, dass er das besser vertragen habe als andere. Er habe viel davon vertragen. Nach dieser Zeit habe er studiert, da sei der Konsum wieder stark runtergegangen, er habe unregelmäßig aber wenn, dann viel getrunken. Hoch sei es wieder gegangen als dann sein Vater 2003 gestorben sei. Er habe einen Unfall gehabt und dabei verstorben. Er habe dann wochenlang jeden Tag eine Flasche Wein getrunken. Seine Lebensgefährtin und seine Tante hätten ihn dann „zurückgeholt“ und gesagt, dass er aufhören solle. Dann habe er aufgehört.

Aber der Pegel sei geblieben. Er habe sich vorgenommen, nur an Wochenenden Wein zu trinken. Das sei aber nur alle zwei Wochen gewesen, etwa 2 Flaschen zu je 1 Liter. Gesteigert habe es sich wieder 2004, da habe er einen Kreuzbandriss gehabt. Da hab er am Wochenende bis zu 4 Flaschen Wein getrunken. Samstags zwei bis drei Flaschen getrunken und sonntags auch noch eine Flasche. Am Anfang sei das so gewesen, dass er nur abends getrunken habe, später habe er dann schon nachmittags abgefangen.

Ab 2008 sei es an seiner Arbeitsstelle zu Problemen gekommen. Es wurde dort Kurzarbeit eingeführt. Er selbst habe nicht Kurzarbeit gehabt, sondern für ihn und seine Abteilung wurde plötzlich der Arbeitsaufwand wesentlich größer, dadurch war es auch stressiger. Es sei mit dem Alkohol wieder mehr geworden, da habe er drei Flaschen am Samstag und sonntags zwei Flaschen getrunken. Der Grund sei die Anspannung gewesen und der Wunsch nach Entspannung. Eine Flasche hätten aber nicht mehr ausgereicht, um diese Entspannung zu bewirken. Diese Phase habe bis 2011 gedauert. Er habe dann gemerkt, dass er Kopfschmerzen und Kater gehabt habe. Die Entspannung sei nicht mehr eingetreten. Er habe dann zum Teil so getrunken, dass es keiner gesehen habe. Dann habe er wieder versucht, zu reduzieren. Er habe aber schon gedacht, dass es nicht mehr ginge, da die Gewöhnung schon zu hoch gewesen sei. Er habe dann ein Jahr kontrolliertes Trinken geschafft. Also zwei Flaschen am Wochenende bis es zu dem Vorfall mit seiner Tante gekommen sei.

(Was nach der Fahrt passiert sei?) Er habe sich geschämt und zwei Wochen verkrochen, habe keinem unter die Augen treten wollen. Er habe ab diesem Tag sofort aufgehört zu trinken. Irgendwann sei er rausgekommen und habe dann mit seiner Familie gesprochen. Seine Lebensgefährtin, seine Kinder, seine Tante hätten ihn da wieder rausgeholt Er habe nach dem Rückfall gewusst, dass er nicht kontrolliert trinken könne. Er müsse abstinent leben, nur das ginge und nichts anderes.

(Wie das Aufhören gegangen sei?) Er habe keine Entzugserscheinungen gehabt. Danach habe ihm auch am Wochenende nichts gefehlt. Vor dem Unfall habe er immer gewusst, dass das Wochenende und damit die Entspannungsphase kommen würde.

(Wirkung?) Das Positive sei die Entspannung gewesen. Mit der Zeit habe ihm die Menge nicht mehr gereicht. Er habe oft eine schwere Woche gehabt. Er habe sich dann belohnen wollen.

(Ob er wisse, zu welchen Zeiten er richtig viel getrunken habe?) Also Blackouts habe er nicht gehabt. Negativ sei der Kater und die Lustlosigkeit gewesen. Das sei nicht nur der körperliche sondern auch der moralische gewesen. Als die Menge wuchs habe er gewusst, dass es falsch sei und habe es trotzdem gemacht. Die Menge habe ihn beunruhigt. Er habe Angst gehabt und habe auch nichts mehr mit der Familie unternehmen wollen. Die Kinder hätten ihn am Ende auch nicht mehr gefragt, ob man etwas gemeinsam unternehme. Er sei einfach nicht funktionstüchtig gewesen. Er sei nicht in der Lage gewesen etwas zu tun und er habe auch keine Lust gehabt.

(Was sich verändert habe?) Er trinke nicht mehr. Er spreche mit den Kindern und die Kinder kämen wieder. Die Kinder fragten ihn wieder, ob man etwas gemeinsam mache. Er spiele jetzt öfter Tennis und Badminton zur Entspannung. Er spiele mit Freunden Fußball und seine 2 Jungs spielten manchmal auch mit. Schön ist jetzt, dass eine furchtbare Last von seinen Schultern gefallen sei. Er könne raus gehen, er stinke nicht mehr nach Alkohol und müsse nicht nach Ausflüchten suchen.

Er sei ein Jahr in einer Beratung gewesen und habe auch ein Screening- Programm gemacht. Er habe selbst viel gelesen und gemacht. Aber auch die persönlichen Gespräche hätten ihm viel gebracht. Auch sei die Gruppe gut gewesen. Er habe dort die Erfahrungen der anderen gehört und seine teilen können. Er habe die Problematiken gesehen und Rückfallsituationen besprochen.

(Was seine Rückfallgefahren seien?) Er habe ein Paket für den Notfall vorbereitet. Telefonnummern, die er sofort parat habe. Er habe auch seinen Sport, Tennis, Badminton und Fußball. Außerdem spiele online in einer Liga E- Games. Er sei auch gläubiger Moslem und bete, auch das helfe ihm. Er empfinde Alkohol inzwischen als abstoßend. Er habe Freunde, die er einmal im Jahr regelmäßig treffe. Die tränken viel. Er habe diesen letztes Jahr seine Geschichte erzählt und die hätten dann auch nicht so viel getrunken, er trank gar nichts. Er sei daraufhin sehr stolz auf sich gewesen.

IV. BEWERTUNG DER BEFUNDE

Die im Teil II dargestellten Voraussetzungen für eine günstige Prognose wurden anhand der oben erläuterten Methoden überprüft. Nach den Ergebnissen der durchgeführten Verfahren ergibt sich bei Herrn Wexxer folgendes Bild:

Die Bewertung, ob eine bei der Untersuchung festgestellte Krankheit oder ein körperlicher Mangel  für die Fahreignung  bedeutsam  sind, orientiert  sich  an  den   Begutachtungs­-Leitlinien zur Kraftfahrereignung. Die medizinische  Untersuchung  lässt keine Beeinträchtigungen erkennen, die für sich alleine genommen schon die Fahreignung ausschließen würden. Der früher vermehrte Alkoholkonsum hat zu keinen gravierenden organischen Folgeschäden geführt, die das ausreichend sichere Führen von Kraftfahrzeugen unabhängig von akutem Alkoholeinfluss ausschließen würden. Auch schwerwiegende psychiatrische Befunde waren nicht zu erheben. Die Analyse des Blutes auf Alkoholmarker ergab Werte im Normbereich.

Die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit ist unter Berücksichtigung der aktuellen Befundlage nicht zu stellen und es ergaben sich auch keine Hinweise darauf, dass extern diese Diagnose gestellt wurde. Nach den Angaben und der Vorgeschichte finden sich jedoch Hinweise auf eine verzichtsbedürftige Alkoholproblematik. Herr Wexxer gab an, dass er seit 31.01.2012 konsequent auf Alkohol verzichte und legte die Ergebnisse vor von Urinscreenings auf den Alkoholmarker Ethylglucuronid über einen Zeitraum von 12 Monaten. Die Abstinenzbelege entsprechen den in den Beurteilungskriterien formulierten Anforderungen und können somit die Angaben des Alkoholverzichts hinreichend stützen.

Die von Herrn Wexxer in den Tests gezeigten Leistungen genügen, um sich mit einem Fahrzeug der beantragten Klasse verkehrsgerecht verhalten zu können. Insbesondere werden die in den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung für die betroffene Fahrerlaubnis geforderten Normwerte erreicht.

Bei der Bewertung der Befunde ist zu berücksichtigen, dass die Angaben von Herrn Wexxer nur dann zur Beurteilung seiner individuellen Problematik herangezogen werden können, wenn sie glaubhaft und nachvollziehbar sind. Die im Rahmen der Untersuchung gemachten Angaben von Herrn Wexxer waren weitgehend in sich stimmig. Widersprüche mit der Aktenlage oder wissenschaftlichem Erfahrungswissen konnten nicht festgestellt oder korrigiert werden. Herr Wexxer zeigte zudem ein offenes und kooperatives Verhalten. Die Angaben sind daher für die Beantwortung der Fragestellung verwertbar.

Um die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluss hinreichend sicher beantworten zu können, war es zunächst erforderlich, den Grad der Alkoholgefährdung zu erfassen.

Auch wenn bei Herrn Wexxer nicht von einer Alkoholabhängigkeit auszugehen ist, ist aufgrund der Vorgeschichte, seines Erfahrungshintergrunds und der Befundlage derzeit nicht zu erwarten, dass er angemessene Regeln zum kontrollierten Alkoholtrinken aufstellen und konsequent einhalten kann. Eine alkoholabstinente Lebensweise ist für eine günstige Verkehrsprognose deshalb unverzichtbar. So stellte das frühere Alkoholtrinkverhalten von Herrn Wexxer ein fehl angepasstes Muster von Alkohol dar, der sich in wiederholten und deutlich nachteiligen Konsequenzen manifestiert hat (..Ich habe drei Flaschen am Samstag und sonntags zwei Flaschen getrunken“, ..Ich habe Angst gehabt und habe auch nichts mehr mit der Familie unternommen. Die Kinder haben mich am Ende auch nicht mehr gefragt, ob man etwas gemeinsam unternehme.“).

Herr Wexxer hat sich und andere durch seine Alkoholisierung in einer gefährlichen oder zumindest kritischen Situation vermeidbaren körperlichen bzw. gesundheitlichen Risiken ausgesetzt (Trunkenheitsfahrt mit 3,15 Promille und Unfallfolge). Der hohe Promillewert (3,15 Promille) der Trunkenheitsfahrt lässt darauf schließen, dass es bereits zu einer ungewöhnlich ausgeprägten Toleranzentwicklung gekommen ist. Trotz Hinweise seiner Familie hat Herr Wexxer weiterhin Alkohol konsumiert bzw. war er nicht in der Lage, seinen Konsum einzustellen oder wenigstens angemessen zu reduzieren („Meine Frau und meine Tante haben mich dann „zurückgeholt‘ und gesagt, dass ich aufhören soll.“). Herr Wexxer hat vorwiegend Alkohol getrunken, um ein Rauscherlebnis zu erzielen und um vom Alltag abzuschalten (Wirkungstrinken mit Toleranzentwicklung; „Der Grund ist die Anspannung gewesen und der Wunsch nach Entspannung. Eine Flasche haben aber nicht mehr ausgereicht, um diese Entspannung zu bewirken.“). Auch berichtet Herr Wexxer davon, dass mehrere Versuche kontrolliert zu trinken, fehlgeschlagen seien {„Ich habe nach dem Rückfall gewusst, dass ich nicht kontrolliert trinken kann.“) und dass er aufgrund seines Alkoholtrinkens ein schlechtes Gewissen gehabt habe („Ich habe mich geschämt.“). Auch hat er nach eigenen Angaben heimlich getrunken hat („Ich habe dann auch so getrunken, dass es keiner gesehen hat.“), was als weiterer Hinweis einer äußerst problematischen Alkoholbeziehung zu werten ist.

Herr Wexxer sieht die Notwendigkeit des aus fachlicher Sicht gebotenen Alkoholverzichts auch selbst und hält diesen derzeit konsequent ein („Ich trinke seit der Trunkenheitsfahrt nichts mehr.“, „Ich muss abstinent leben, nur das geht und nichts anderes.“). Die Dauer des konsequenten Alkoholverzichts ist auch ausreichend lange und kann damit als hinreichend stabilisiert betrachtet werden (Screenings für die Dauer von 12 Monaten vorhanden.).

Zur Stabilität der Abstinenz trägt zudem bei, dass sie durch das soziale Umfeld gestützt werden. So gibt er an, dass die Beziehung zu seiner Familie und besonders zu seinen Kindern wieder besser geworden sei und er zudem bereits neue Erfahrungen mit eigenen Kompetenzen durch den Verzicht auf Alkohol gesammelt hat, die ihn bestärken und auch weiterhin zur Aufrechterhaltung der Abstinenz beitragen („Die Jungs fragen mich wieder, ob man etwas gemeinsam mache.“, „Ich spiele jetzt Tennis, Badminton, Fußball…“,  „Ich kann jetzt raus gehen, ich stinke nicht nach Alkohol, muss nicht nach Ausflüchten suchen.“).

Zudem hat Herr Wexxer innerhalb eines Jahres eine verkehrspsychologische Beratung mit 16 Einzelgesprächen und 15 Gruppenterminen in Anspruch genommen, die in Art und Umfang dem Problem angemessen war und die den Zusammenhang der persönlichen Problematik und dem unkontrollierten Alkoholkonsum in der Vergangenheit problematisierte und behandelte. {„Die persönlichen Gespräche haben mir viel gebracht.“, . Auch in der Gruppe habe ich die Erfahrungen der anderen gehört und meine teilen können.“, „Ich habe die Problematiken gesehen und Rückfallsituationen besprochen.“)

Unter Berücksichtigung aller in der Untersuchung eingegangener Befunde und Aussagen von Herrn Wexxer kann folglich eine positive Prognose hinsichtlich der gestellten Fragestellung attestiert werden.

V. BEANTWORTUNG DER FRAGESTELLUNG

Bei zusammenfassender Wertung der Untersuchungsergebnisse kann die behördliche Fragestellung wie folgt beantwortet werden:

Es ist nicht zu erwarten, dass Herr Wexxer auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter Alkoholeinfluss führen wird. Beeinträchtigungen, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeugs der genannten Fahrerlaubnis-Klasse in Frage stellen, liegen nicht vor.

 

Unterschriften von Psychologe und Arzt