Idiotentest – warum so genannt?

Mit dem Ende des 2. Weltkriegs wurde „Nachkriegs – Deutschland“ mit einem Problem konfrontiert, das es bis dahin so noch nicht gegeben hatte. Viele Menschen (auch die im 2. Weltkrieg an Leib und Psyche schwerst verletzten Personen) wollten nun aktiv die immer stärker verbreitete Möglichkeit der Mobilität nutzen und selbst mit dem Motorrad oder einem Auto am Straßenverkehr teilnehmen. Diese Situation wurde durch die Massen der heimkehrenden Kriegsgefangenen noch verschärft. Mit dem immer dichter werdenden Straßenverkehr wuchsen aber auch die Anforderungen an die Fahrer. Es entstanden bald Zweifel, ob alle die durch die grausigen Kriegserlebnisse behinderten oder traumatisierte Menschen diesen gestiegenen Ansprüchen gerecht werden konnten. Es begannen Debatten, ob für Menschen mit Behinderungen (auch fehlende Gliedmaßen etc.) vielleicht dafür geeignete Fahrzeuge vorgeschrieben werden sollten. Es gab ja dafür ja noch keine Erfahrung und keine Regelung, wie man den Gefahren begegnen sollte. Im Jahr 1954 wurde in Deutschland die „Medizinisch – Psychologische – Untersuchung“ gestartet – bereits vom Beginn an wurde auch das Wort „Idiotentest“ von der Allgemeinheit in den Sprachschatz eingebracht. Gedacht und geplant war ursprünglich, damit ein Instrument zu schaffen, um diese Probleme lösen zu können und die Gefahr zu bannen.
Am Anfang waren diese MPU Untersuchungen sehr stark von der medizinischen Seite beeinflusst und geprägt, ab den frühen 1960-er Jahren wurde dann aber der Einfluss der Psychologen immer größer. Es kam dabei vorübergehend auch zu Übertreibungen. So wurde zu dieser Zeit sogar allen Leuten, die eine Führerscheinprüfung zum dritten Mal nicht bestanden hatten, diese „Begutachtung der Fahreignung“ auferlegt. Die seit Beginn der Begutachtungen im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung als „Idiotentest“ wurde dadurch zementiert. Diese Praxis – Durchgefallene bei der Prüfung zum Führerschein generell zum „Idiotentest“ zu schicken – war natürlich auch von Fachleuten sehr umstritten und wurde erfreulicherweise nach einer Dekade wieder abgeschafft. Der Volksmund blieb aber bis heute bei der Bezeichnung „Idiotentest“ für die „Medizinisch – Psychologische – Untersuchung“. Die Bezeichnung Idiotentest, in Bayern heißt er auch „Depperltest“, wird sich wahrscheinlich auch die nächsten Jahrzehnte über halten.
Wahrscheinlich trägt die Bezeichnung Idiotentest auch viel dazu bei, dass es diese bekannt hohe Durchfallquote bei der Begutachtung gibt. Immer wieder gehen Leute unvorbereitet hin zum vermeintlichen Idiotentest und stellen dann verwundert fest, dass von ihnen eine Vorbereitung auf diesen Eignungstest erwartet wird. Mittlerweile konzentriert sich die „Medizinisch – Psychologische – Untersuchung“ zum Großteil auf das Urteil der Psychologen. Es geht fast immer um die charakterliche Eignung der Teilnehmer.
1999 wurden die Richtlinien für die Durchführung der Begutachtung deutschlandweit vereinheitlicht und verbindlich geregelt. Davor gab es große Abweichungen in der Qualität und Bewertung zwischen den verschiedenen Trägern von Begutachtungsstellen. Das führte zeitweise zum so genannten „MPU Tourismus“. Auf Grund von Gerüchten über besonders „leichte“ zu erhaltende, positive Gutachten fuhren die Leute kreuz und quer durch Deutschland.
Das ist erfreulicherweise vorbei, die Regeln, die Anforderungen und die Bewertungen sind großteils gleich. Wer sich intensiv damit beschäftigt, merkt die Professionalität und erkennt die Unwissenheit all derer, die heute noch den Ausdruck „Idiotentest“ verwenden.
Die „Medizinisch – Psychologische – Untersuchung“ ist ein wirksames und verlässliches Instrument geworden, das zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beiträgt und wird von anderen Staaten in Europa beobachtet und vorbereitet. Teilweise wurde sie in mehr oder weniger veränderter Form sogar schon dort integriert.
Mit der aktuellen EU – Führerscheinrichtlinie wurden auch klar gestellt, dass die einzelnen europäischen Länder überhaupt kein Interesse haben, die Regeln und Gesetze der anderen Mitgliedsstaaten zu unterwandern oder Schlupflöcher zuzulassen. Dem einen oder anderen mag es gelingen, vielleicht durch kriminelle Energie, mit einen EU – Führerschein in eine MPU in Deutschland zu umgehen. Unsere Erfahrung zeigt, diese Leute haben dadurch in der Regel wieder neue Probleme und Unsicherheiten. Eventuell gründet deren Angst auch auf der unsinnigen Bezeichnung – Idiotentest.
Meist legen sie dann trotzdem irgendwann eine „Medizinisch – Psychologische – Untersuchung“ in Deutschland ab, einfach um die reelle deutsche Fahrerlaubnis wieder zu erhalten. Leider manchmal erst, wenn sie wegen der Benutzung der EU Fahrerlaubnis im Gefängnis waren oder immense Geldstrafen bezahlt hatten.