Btm-Konsum: Auswirkungen

Auswirkungen ausgewählter Drogen und Medikamente auf das Fahrverhalten:
Während des Autofahrens wenden wir je nach Situation unterschiedlich fordernde oder komplexe Verhaltensweisen an. Die einfachsten Aufgaben führen wir durch automatisierte Verhaltensweisen aus, bei denen wir nicht überlegen müssen und die uns auch sonst in keinerlei Hinsicht fordern. Wir beherrschen diese Aufgaben praktisch im Schlaf. Ein Beispiel hierfür ist das einfache Fahren auf einer Fahrspur bei konstanter Geschwindigkeit ohne zu sehr nach links oder rechts ab zukommen. Etwas fordernder sind die kontrollierten Verhaltensweisen. Hierbei müssen wir unsere Aktionen an bestimmte Faktoren anpassen. Es sind somit sowohl Aufmerksamkeit als auch Wahrnehmung erforderlich, um eine Situation richtig einzuschätzen und dann angemessen darauf reagieren zu können. Das Fahren in einer Kolonne ist ein Beispiel hierfür. Die eigene Geschwindigkeit muss der Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs angepasst werden, um einen gleichmäßigen Abstand einzuhalten. Durch das Beschleunigen und Abbremsen des vorausfahrenden Fahrzeugs spielt auch die eigene Reaktionsgeschwindigkeit eine wichtige Rolle. Die komplexesten Situationen erfordern strategische Verhaltensweisen. Wie kurz vor einer Brücke, Kurve o.ä. starte ich einen Überholvorgang? Wann, wenn überhaupt, fahre ich bei Rot über eine Ampel? In solchen Fällen ist es nicht nur erforderlich, die aktuelle Situation zu erfassen, sondern auch zu antizipieren, was in den nächsten Sekunden passieren wird. Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Konzentration und Reaktionsgeschwindigkeit werden voll beansprucht.
Amphetamine: bewirken im allgemeinen eine stimulierende Wirkung auf psychomotorische Reaktionen. Allerdings können sie sich negativ auf kognitive Funktionen auswirken und risikoreiches Verhalten fördern. Unter Schlafentzug kann z.B. die Spur nicht mehr gehalten werden und die Auswirkungen entsprechen denjenigen, die unter 0,8 Promille BAK (Blut-Alkohol-Konzentration) oder mehr auftreten. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist verlangsamt, Aufmerksamkeit und Impulskontrolle sind beeinträchtigt. In der Kombination mit Alkohol kann die Spur ebenfalls nicht mehr gut gehalten werden. Die für akzeptabel befunden Abstände werden geringer und es kommt zu einer erhöhten Anzahl von Rotlicht- Übertretungen sowie Unfällen. Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und das Verfolgen von Bewegungen sind ebenfalls beeinträchtigt.
Die stimulierenden Effekte von Amphetaminen können die Beeinträchtigungen durch Schlafentzug oder Alkoholkonsum nicht ausgleichen. Bei Kombination verstärken sich die Beeinträchtigungen durch Drogenkonsum, Schlafentzug und Alkoholkonsum.
THC: Bei Gelegenheitsnutzern führt THC zu einer Beeinträchtigung im Spurhalten, die je nach Dosis der Wirkung von 0,5 Promille BAK oder 0,8 Promille BAK entspricht. Bei häufigen Konsum führen geringe Dosen zu keiner Beeinträchtigung und bei hohen Dosen zeigen sich starke Unterschiede, die zwischen keiner Beeinträchtigung und 0,5 Promille BAK liegen. Die Reaktionsgeschwindigkeit und Anpassung an Geschwindigkeitsveränderungen ist bei Gelegenheitsnutzern beeinträchtigt, während Konsumenten mit regelmäßigem und hohem Konsum keine Beeinträchtigungen zeigen.
Schlafmittel: Unabhängig von der Häufigkeit der Einnahme führen Schlafmittel zu einer Beeinträchtigung im Spurhalten, die einer Wirkung von mindestens 0,5 Promille BAK entspricht. Benzodiazepine führen außerdem zu einer erhöhten Reaktionsgeschwindigkeit und längerem Fahren zu dicht am Vordermann. Einige Schlafmittel (GABA-Agonisten) beeinträchtigen das Gedächtnis, die Verfolgung von Bewegungen und die Aufmerksamkeit. Bei regelmäßiger Einnahme wird die sedative Wirkung nicht mehr bemerkt. Die Beeinträchtigungen sind jedoch vorhanden, so dass oft fälschlich angenommen wird, das Fahren während der Behandlung mit diesen Medikamenten sei sicher.
Neuroleptika: Sowohl bezüglich des Spurhalten als auch der Reaktionszeit entsprechen die Auswirkungen von Neuroleptika denjenigen, die bei 0,5 Promille BAK oder mehr auftreten.

Inhalte / Autoren: MPU Beratung Kurt Stranz – Dipl.-Psych. Epple